In letzter Zeit habe ich viel über meine Fähigkeiten nachgedacht. Vielleicht ist es, weil ich mich in der Vergangenheit so hart bemüht hatte, dass ich mich jetzt ein bisschen seltsam fühle, da ich ein Privileg habe, eine langsame Zeit zu genießen und die Dinge zu tun, die ich schon immer tun wollte, zum Beispiel Tennis und Basketball zu lernen. Mein ganzes Leben drehte sich immer ums Arbeiten, Arbeiten und Arbeiten, bis ich in Deutschland ankam. Heutzutage habe ich ständig das Gefühl, dass ich weniger intelligent werde (hahahaha), weil ich Informationen jetzt etwas langsamer verarbeite. Der Unterschied besteht darin, dass ich mich nicht mit anderen Leuten vergleiche, sondern nur mit mir selbst – zum Beispiel war mein Teenager-lich ziemlich schlau (vielleicht?? hahaha). Aber es war langweilig, weil ich immer im Wettstreit stand, sogar gegen die beste Freundin von mir.
Es ist schon 2022. Was mache ich dieses Jahr und nächstes Jahr? Mache ich einen zusätzlichen Kurs? Wohne ich weiter in Deutschland oder gehe ich zurück nach Vietnam? Einen neuen Job bekommen oder meinen jetzigen weiterführen? Was kann ich wirklich gut? Was möchte ich wirklich tun? Ich denke, ich habe die Antworten für mich selbst. Die Antworten, die ich nicht wissen wollte, weil ich sie selbst zu verantworten hatte
. Ich schickte einen Wunsch ins Universum, dass es eine Rettung für mein 2022 geben möge. Wenn es immer darum geht, eine Entscheidung auf, Basis unserer Vorlieben zu treffen, wäre das Leben so viel einfacher. Die Entscheidung beinhaltet immer verschiedene Faktoren und die endgültige Antwort ist nichts anderes als eine Abwägung der Wahrscheinlichkeiten.
Es ist wahr. Wenn man etwas Schönes erlebt, vergeht die Zeit sehr schnell, ohne dass man es merkt. Meine Zeit in Deutschland habet mich genau gespürt. Es ist schön gewesen. Natürlich habe ich hier auch viel geweint, noch mehr als in Vietnam (hahaha). Ich hatte mir so oft vorgestellt, wie mein Leben während meines Auslandsstudiums aussehen würde und wie es aussehen würde, durch Europa zu reisen. Manchmal habe ich davon geträumt. Manchmal habe ich blind studiert, um Zertifikate zu erwerben, um meinen Traum zu verwirklichen. Ich las Nachrichten, sah Fotos, sah Videos von Leuten, die im Ausland studierten, bis zu einem Punkt, dass ich dachte, ich hätte dieses Leben gelebt, noch bevor ich hier ankam. Aber es war nicht wahr. Als ich Vietnam verließ, war ich so traurig und weinte den ganzen Tag. Ich habe mich sogar gefragt, ob ich wirklich gehen möchte. Dann kam ich in Leipzig an und, es war so beschäftigt mit dem Lernen und Eingewöhnen an mein neues Zuhause für die nächsten zwei Jahre, dass ich keine Zeit hatte, traurig oder nachdenklich zu sein. Dann habe ich neue Freunden/-innen kennengelernt. Und jetzt ist ein Jahr vorbei.
Es ging so schnell. Wir haben vielleicht ein Gefühl dafür, wie etwas ist, aber bis wir es selbst durchgemacht haben, wissen wir es nicht wirklich. Das Einzige, worüber ich im Moment sicher sein kann ist, dass ich wirklich das Niveau C1 in Deutsch erreichen möchte und Schritt für Schritt meinen Traum vom Weltbürger wahr werden lassen will. Das wäre so schön.

Me on Bassac Cruise watching the sunset while trying to act “deep” ahahaha