[Leipzig, 11.01.2022]
Heute fiel es mir schwer, konzentriert zu sein. Ist es, weil ich mein Leben jetzt alleine kontrollieren muss und es leichter einfacher ist, den Fokus zu verlieren? Heute habe ich einen kurzen Spaziergang gemacht. Ich wollte länger gehen, aber ich fühlte mich unwohl. Viele Gedanken lenkten mich davon ab, den Spaziergang schätzen zu lernen. Aber ich gebe nicht auf. Morgen werde ich es wieder und länger tun.

Es schien mir, dass die Aufgabe, zu gehen und zu schätzen, was ich sehe, höre, rieche, … die einfachste Aufgabe der Welt sei. Aber während ich spazieren ging, dachte ich immer wieder an andere Dinge. Ich sprach weiter mit mir selbst und stellte mir, die einzigen drei Fragen, die ich dann hätte haben sollen. Sie waren, wer ich bin, wo ich bin, und was ich tun möchte. Im dritten Studienjahr nahm ich an einer Diskussion teil unter dem Titel/zum Thema „Wer bin ich“. Es war in einem Kurs über amerikanische Identität. Was sollte ich auf diese Frage antworten? „Ich bin Dai“ – nein, es war nicht nicht nach deinem Namen gefragt; „Ich bin Studentin“ – nein, es war nicht nach deinem Beruf gefragt; „Ich bin Asiatin.” Jetzt musste ich noch einmal daran denken – Wer bin ich? Bin ich nur ich oder noch mehr? Oder bin ich nichts? Die erste Frage hatte mich schon runtergezogen. Ich wollte den Spaziergang nur noch beenden, aber mir war auch bewusst, dass ich so schwach war, wie ich damals aufgehört hatte. Dann machte ich noch ein bisschen weiter. Und es war zu kalt, um es zu genießen. Aber ja, für einen aufmerksamen Spaziergang sollte ich sogar die Kälte zu schätzen lernen. Der erste Tag des aufmerksamen Spaziergangs war nicht so gut. Aber irgendwie war ich glücklich, weil ich wusste, dass der Anfang von etwas Gutem, das bald in der Zukunft passieren wird, nicht immer einfach ist.
Zu Hause schaute ich dann das Deutschheft an und ich hatte deutliche Angst. Ich hatte jetzt noch so viele Seiten, die hätten fertig gemacht werden sollen. Ich muss sie heute oder morgen erledigt haben. Dieses Schreiben könnte das letzte sein, in dem ich frei schreiben kann, was ich will, da ich bald mit dem Testformat beginnen muss. Darum fühlte ich mich ein bisschen traurig. Aber ich war schon zu dem Schluss gekommen, dass ich nicht alles gleichzeitig meistern konnte. Es gibt Dinge, die ich nicht in der Lage bin zu tun oder die einfach nicht geeignet für mich sind. Ich wundere mich wie es möglich ist, dass man sagen kann, “ich bin immernoch derselbe, nur noch selbstverliebter als früher.” Wir sind nicht immernoch dieselben. Wir haben uns verändert. Aber die Idee von “selbstverliebter als früher” finde ich sehr gut. Wir sollten immer in uns verliebt seinen.
Ich muss mich konzentrieren. Natürlich erinnere ich mich jeden Tag daran, dass ich mich konzentrieren muss. Ich muss akzeptieren, dass ich jetzt in Mathe nicht mehr so gut bin wie früher, aber ich kann besser Kontakte knüpfen. Und dass ich jetzt vielleicht Dinge schneller vergesse, wenn ich es nicht ständig überprüfe, aber ich beschäftige mich mit Deutsch, einer der schwierigsten Sprachen. Nur wenn ich diese Dinge akzeptiere, werde ich mir nicht mehr selbst die Schuld für Dinge geben, in denen ich nicht gut bin. Meine Gedanken sind normalerweise sehr kompliziert zu erklären, aber ich versuche es. Manchmal möchte ich nett zu mir sein, aber ich denke auch, dass diese Art des Denkens mich immer schwächer werden lässt. Ich möchte ein Kämpfer werden, nicht jemand, der leicht nachgibt. Hmmm aber man sagt auch “Der Klügere gibt nach.”
Ist es heutzutage schwer, zufrieden zu sein, wenn sich die Welt so schnell verändert? Wir könnten obsolet werden, wenn wir nicht versuchen, uns selbst zu aktualisieren. Ich frage mich, ob wir das überhaupt wollen. Es klingt genauso wie „es ist okay, nicht zu wissen, aber es ist auch NICHT okay, nicht zu wissen“.
Gestern Abend verbrachte ich vier Stunden mit den Umfragen und sammelte ich auch einige Antworten für meine Abschlussarbeit. Aber für etwas anderes hatte ich keine Zeit. Bei einigen Umfragen brauchte ich 30 Minuten. Bei manchen Umfragen fühlte ich mich so dumm. Nachdem ich mit einem Freund von mir gesprochen hatte, entschied ich mich, eine Person einzustellen, die dies für mich tut. Und ich habe eine gefunden. Jetzt muss ich keine Umfragen mehr machen. Ich muss mich nur noch auf die deutschen Umfragen konzentrieren, was zeitaufwendig sein kann, aber da sie ist auf Deutsch sind, helfen sie mir beim Deutschlernen. Ich fragte mich, warum mir diese Idee nicht schon früher gekommen war. Ich sollte meine Zeit für die Dinge nutzen, die mir gerade wirklich wichtig sind: Mein Deutsch und meine Abschlussarbeit. Ich weiß, dass das Sammeln von Antworten ein Teil meiner Abschlussarbeit ist, aber ich habe auch noch viele andere Dinge zu tun, um eine sehr gute Abschlussarbeit zu schreiben. Daher war ich froh, dass es jetzt “vorbei” war. Hoffentlich wird die, die ich einstellt habe, einen guten Job machen und mir genug gute Daten liefern.