15.02.2022
Ich habe gestern das Buch “Der Wald, Vier Fragen und Ich” von Tessa Randau fertiggelesen. Das Buch ist in einem so richtigen Moment meines Lebens erschienen und das in dem Buch Geschriebene geht mir sehr nah obwohl mein Hintergrund und der der Autorin sehr unterschiedlich sind. Vielleicht fragst Du jetzt “Was sind die “Vier Fragen”? Oder “Sind sie die vier große Fragen des Lebens: Wer bin ich? Warum bin ich hier? Was will ich tun? Und was will ich werden?” Nein, sind sie nicht, sondern es sind kleine Fragen, die wir auf unsere alltäglichen Dinge anwenden können.
Die erste Frage ist “Willst du das wirklich?” Die Autorin hat vorgeschlagen – “Wenn ja, dann tue alles, was nötig ist! Wenn nein, dann suche eine alternative Lösung!” Ich fragte mich, warum ich in meinem Leben bisher oft “Ja” gesagt hatte, wenn ich eigentlich “Nein” meinte, zum Beispiel zu einem Treffen oder, zu einer Party, zu der ich nicht gehen wollte, oder zu einem Film, an dem ich keine Interesse hatte. Ich habe dann normalerweise versucht, mich davon zu überzeugen, dass dies soziale Aktivitäten sind und ich keine unsoziale Person bin. Es passiert oft, dass ich bald nachdem ich dort war, nach Hause gehen wollte. Es gibt auch die Dinge, die anfangs schwierig und stressig zu sein scheinen und die ich deswegen auch nicht tun will, zum Beispiel Deutsch zu sprechen beim Essen. Aber das ist anders, weil es Herausforderungen sind und ich mich sehr froh fühle, wenn ich sie gut bewältigen kann. Das gibt mir ein Gefühl der Erfüllung anstatt erschöpft zu sein, wie wenn ich zu einem Treffen gehe, zu dem ich nicht gehen möchte. Ich erinnere much daran, dass ich Kopfschmerzen hatte, als eine Person in einem Treffen fast ein halbe Stunde lang über ein Thema, an dem sie sehr interessiert ist, erzählte. Nach ein paar Minuten dachte ich mir “Will ich wirklich weiter diesem Thema zuhören?” Die Antwort war ein klares “Nein.” Eine andere Personen konzentrierten sich nicht mehr auf das Gespräch, weil sie schon an ihrem Handy war und Newsfeed von Instagram scrollte. Ich wollte nicht mehr zuhören, aber ich hatte Angst, unhöflich und egoistisch zu sein. Darum nickte ich nur und hörte mir die ganze Geschichte an, während mein Inneres nach Freiheit schrie. Am Ende war ich ganz leer und kraftlos, obwohl ich viele Informationen gehört hatte. Ich hätte sie sanft unterbrechen und das Thema wechseln sollen.
Bei der zweiten Frage geht es um unsere Prioritäten. “Wie wichtig ist das wirklich?” Die Autorin gab das Beispiel Freundschaft. Sie hatte ein Treffen mit ihrer Freundin, aber kurz vor dem Treffen wollte sie nicht mehr, weil sie wusste, dass das sie erschöpfen würde. Ihre Freundin war single und sie ging gerne auf Parties, während sie selbst ein “Mutti-Leben” führte und nur an Wellness-Aktivitäten teilnehmen wollte. Aber wenn sie das Treffen absagen würde, würde ihre Freundschaft Schaden nehmen. Daraus entstand die Frage: “Wie wichtig ist die Freundschaft, wenn sie nicht mehr Spaß zusammen haben können?” “Und möchte sie ihre Freundin wiedersehen?” Es gibt immer andere Lösungen, das heißt, sie könnte ihrer Freundin entweder die Wahrheit sagen, dass sie diese Aktivitäten nicht mag, oder sie nicht das ganze Treffen damit verbringen möchte, dem Leben ihrer Freundin zuzuhören oder sie könnte das Treffen einfach absagen und die Zeit stattdessen damit verbringen, das zu tun, was sie wirklich will. Die Frage lässt mich an meine Familie denken. “Wie wichtig ist meine Familie wirklich” So lange bedeutete “meine Familie” nur meine Großeltern. Aber ich habe Angst, keine Familie zu haben. Deswegen halte ich meine Mutter und meine Geschwister in meinem Leben, obwohl ich tief in mir keine Verbindung spüre. Familie ist wichtig, aber nicht immer. Ich habe viel Familien, die keine Blutsverbindung zu mir hat und das ist mir genug. Ich denke immer, dass ich meiner Familien helfen kann, aber es scheint widersprüchlich zu sein – es geht ihnen nur schlechter. Meine Familie hat immer Probleme, aber jetzt habe ich gemerkt, dass sich diese Probleme lösen lassen, ohne mich.
“Was brauche ich wirklich?” ist die dritte Frage. Als ich über diese Frage nachgedacht habe, habe ich etwas Interessantes über die Finnen herausgefunden. Sie sind die glücklichsten Menschen auf der Welt, weil sie viel draußen in der Natur sind, sich in der Sauna entspannen, Freunde treffen, un Ruhe und Gemütlichkeit schätzen. Wenn ich müde bin, suche ich etwas zum Kaufen. Neue Dinge zu habe gibt mir ein Gefühl der Zufriedenheit, das mir helfen kann, Betrübnis zu vergessen. Manchmal kaufe ich Schuhe, weil sie im Angebot sind. Ich brauche sie nicht. Es ist gut, das ich mir diese schlechten Angewohnheit abgewöhnt habe. Es ist eine sehr gute Aussage, die auch simpel und offensichtlich ist, aber wir vergessen sie oft. Sie lautet: “Wir denken selten an das, was wir haben, aber oft an das, was uns fehlt.” In den letzten Monaten war ich oft traurig und gestresst, weil ich mehr Dinge erreichen wollte und ich mit meinem aktuellen Zustand nicht zufrieden war. Aber ich habe komplett vergessen, dass ich viele Privilegen habe – ich haben einen Tutor, der so gut ist und auch meine Interessen, zum Beispiel Tennis oder Linguistik unterstützt; meine Mentoren lieben mich sehr, ich habe jeden Tag gutes Essen und die Zeit, meine Hobbys zu üben; ich kann reisen, wenn ich will. Ich bin sehr dankbar, diese Menschen in meinem Leben zu haben. Was brauche ich mehr?
Die letzte Frage kann als ein Gedankenexperiment bezeichnet werden. – “Was würdest Du heute an deinem Leben ändern, wenn du wüsstest, dass Du in einem Jahr sterben musst?” Meine Antwort ist “Nichts,” aber ich würde erstmal ein Ticket nach Vietnam buchen, um meine Großmutter zu umarmen.
Ich bin so glücklich, das ich das Buch gekauft und gelesen habe. Obwohl ich viele anstehende Aufgaben habe, ist Deutsch meine Priorität und es gibt mir mehr Kraft, andere Dinge fertigzumachen. Jetzt fühle ich mich sicherer mit meinem Alltags-Schreiben und bin ich bereit für die nächste Aufgabe, die darin besteht, den schriftlichen Teil von TestDaF zu bestehen. Vielleicht ist dies mein letztes Alltags-Schreiben. Aber will ich jetzt nur noch schriftlichen Ausdruck schreiben? Natürlich 😉